420 DUR 420 MOLL LÄNDLER

Dreharbeiten zu "420 Dur 420 Moll Ländler", Jannik Giger
Kunst
2020
Basel (CH)

 Jannik Giger, Kirill Zvegintsov, Gregor Brändli, Jero Nyberg

Der in Basel lebende Komponist und Videokünstler Jannik Giger (*1985/ CH) absolvierte einen Bachelor of Arts in Musik und Medienkunst an der Hochschule der Künste Bern bei Daniel Weissberg und Michael Harenberg sowie einen Master of Arts in Komposition an der Musikhochschule Luzern bei Dieter Ammann. Bis 2015 studiert er im Master of Arts in Specialized Music Performance (Komposition) am Konservatorium Basel bei Michel Roth und Erik Oña. Mit seinen Kompositionen und Videoarbeiten bewegt er sich ebenso im Feld zeitgenössischer Musik wie im Kunstkontext. Giger erhielt 2013 den Förderpreis für Musik des Kanton Solothurns und ein Atelierstipendium (2015) in London der Stiftung Landis und Gyr. Seine Arbeiten werden international im Musik-, Film- und Kunstkontext rezipiert wie beispielsweise der Wigmor Hall London, dem National Centre for the Performing Arts Peking, den Swiss Art Awards oder dem Theater Basel und von Formationen wie dem Ensemble Mosaik, Solistenensemble Kaleidoskop Berlin, Mondrian Ensemble, Trio Rafale, Ensemble Phoenix, der Basel Sinfonietta oder der Geneva Camerata aufgeführt

 

Der herausragende klassische Konzertpianisten Kirill Zvegintsov wurde beim unerbittlichen 440x Repetieren von 8 kurzen melancholischen Takten eines Franz Schubert Ländlers D366 (Nr. 4) filmisch inszeniert und dokumentiert. Die 65 minütige Klavierinterpretation wurde ohne Probe als „One Take“ (ein einziger Durchlauf) konzipiert. Durch den Einsatz von mehreren Kameraperspektiven, die im Schnitt in eine regelmässige Abfolge montiert wurden, entsteht der Eindruck eines Loops. Da der Pianist jede Wiederholung differenziert interpretiert, entstehen subtile Variationen im Loop. Genau in dieser Ambivalenz zwischen dem konzeptuellen und starren Korsett, sitzt ein Mensch am Klavier, der unter diesen Bedingungen nur musizieren kann, wenn er sich aus diesem Korsett emanzipiert. Es sollen die Aspekte der Klassikwelt als Leistungssport –„Kontrolle, Konzentration, Disziplin, Präzision, üben üben, üben“– hervor treten und der Pianist zu einer Metapher werden für das repetitive Spiel der Arbeit des Sisyphos und darin ein Spiegelbild des eigenen tätigen Lebens. Die Gwärtler Stiftung unterstütze die Enwicklungsphase.